Sanierung Verladebahnhof II
Den Schwerpunkt der Altlastensanierungsmaßnahmen auf dem Standort bildet der Bereich des ehemaligen Verladebahnhofs II an der Südgrenze des ehemaligen Tanklagers Farge. Auch der Verladebahnhof II entstand in den Jahren 1936 bis 1941 und diente dem Umschlag von Treibstoffen in Kesselwagen und bis 1966 auch in Kanistern.
Nutzungshistorie und Schadensursache
Zum Zeitpunkt der Aufgabe des Tanklagers war der Bereich aufgrund umfassender baulichen Sanierungen in den Jahren 1989 und 1990 in einem guten technischen Zustand mit einer vollständig flüssigkeitsdichten Versiegelung der Umschlagsflächen innerhalb der Gleiswannen und im Bereich der Produktleitungen.
Durch den jahrzehntelangen Umschlag von Kraftstoffen ist es zu erheblichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers gekommen. Im Zuge der Umrüstung erfolgte im Jahr 1990 auch eine erste Bodensanierung mittels Bodenaustausch, wodurch aber nur ein Teil der Verunreinigung erfasst werden konnten. Es sind noch erhebliche Bodenverunreinigungen in größeren Tiefen verblieben. Grund dafür sind vermutlich Undichtigkeiten in den früheren, nicht einsehbaren, mit Kies verfüllten Betonauffangwannen unterhalb der Verladegleise.

Ehemaliges Verladegleis mit Containern der Grundwasser-Sicherung-Anlage (Förderbrunnen zur Benzinphasenabschöpfung), 2018 (Foto: Rainald Brede, BImA)
Erkundung des Schadensfalls und erste Sanierungsmaßnahmen
Die Boden- und Grundwasseruntersuchungen im Auftrag der Bundeswehr in den Jahren 2006 bis 2009 lokalisierten den Hauptschadensbereich vor allem im südlichen Teil der Verladegleises. Ausgehend von diesem Kontaminationszentrum stellte man im Grundwasser eine BTEX-Belastung in Abstromrichtung nach Süden über die Grundstücksgrenze hinaus fest. Das Grundwasser befindet sich im Bereich des Schadenszentrums in einer Tiefe von ca. 13 Metern.
Aufgrund dieser Belastungssituation und durch die Lage des Verladebahnhofs II innerhalb der Trinkwasserschutzzone des Wasserwerks Blumenthal wurden bereits durch die Bundeswehr ab Juli 2010 hydraulische Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Auch hier war das Ziel, das weitere Abströmen der Schadstofffahne zu unterbinden und das Schadstoffpotential im Kontaminationszentrum zu reduzieren.
Dazu wurden im Bereich des Schadenszentrums zehn Förderbrunnen errichtet, aus denen kontinuierlich Wasser gefördert und von an der Grundwasseroberfläche aufschwimmendes Benzin (Benzinphase) abgeschöpft wird. Seit Beginn der Maßnahme im Oktober 2010 wurden bis Ende 2025 ca. 130 Tonnen Benzinphase gefördert und entsorgt.
Die Schadstoffverbreitung
Diese hydraulische Sicherung wird ebenfalls seit 2010 durch ein umfangreiches Grundwassermonitoring begleitet – mit Probennahmen jeweils im Frühjahr und im Herbst. Aufgrund der umfangreichen Schadstoffeinträge hat sich im Grundwasser in Abstromrichtung eine etwa einen Kilometer lange und 250 Meter breite Schadstofffahne ausgebildet. Zudem war im Abstrom eine Tiefenverlagerung der gelösten BTEX und MTBE-Schadstoffe bis in 30 Meter Tiefe festzustellen.
Im Zuge der kontinuierlichen Überwachung der Schadstofffahne erfolgte eine Erweiterung des Grundwassermessstellennetzes. Die derzeit bekannte Lage der Schadstofffahne ist den folgenden Abbildungen zu entnehmen. Dabei ist auffällig, dass sich die MTBE-Schadstoffe etwas weiter nach Südosten ausgebreitet hat als die BTEX-Schadstoffe. In den letzten Jahren ist aber festzustellen, dass sich die Ausbreitung der MTBE wieder mehr der Ausbreitung der BTEX angleicht und ein Schadstofftransport bevorzugt nach Südwesten Richtung Unterweser stattfindet.


Die Daten des Grundwassermonitorings fließen zudem in ein Grundwassermodell des Geologischen Dienstes für Bremen (GDfB) ein. In diesem Grundwassermodell wird der Wasser- und Schadstofftransport im Bereich des Tanklagers und der gesamten Trinkwasserschutzzone mit den südwestlich gelegenen Trinkwasserfassungen nachgebildet. Derzeit führt der GDfB Modellrechnungen zum Schadstofftransport durch, die bei der Bewertung des Schadstoffausbreitungsverhaltens und möglicher Gegenmaßnahmen helfen.
Vorbereitung der Bodensanierung
Obwohl die hydraulische Sicherung des Grundwasserabstroms bereits seit 2010 in Betrieb war, zeichnete sich keinerlei Veränderung im Kernschadenbereich ab. Zwar wurden erhebliche Mengen an Kraftstoffphase von der Grundwasseroberfläche abgeschöpft, jedoch blieben die Gehalte gelöster Schadstoffe im Grundwasser auf einem hohen Niveau. Auch ein Abriss der Schadstoffnachlieferung war nicht zu beobachten.
Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse ließ sich ableiten, dass die Sicherung noch über einen sehr langen Zeitraum zu betreiben wäre. Aus diesem Grunde beschloss die BImA mittels einer erneuten Sanierungsuntersuchung zu prüfen, ob es ein wirtschaftlich darstellbares Verfahren gibt, das Sicherungsverfahren zu ersetzen.
Um eine maximale Transparenz und damit Akzeptanz zu erreichen, sowie um eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Verfahren zu betrachten, wurde in der Altlastenbearbeitung ungewöhnlicher Weg eines Ideen- und Planungswettbewerbes beschritten. Im Rahmen dieses Wettbewerbs haben die verschiedenen Gutachter Ideenskizzen eingereicht, aus denen fünf für den Planungswettbewerb ausgesucht wurden. Im Rahmen des Planungswettbewerbes wurde von jedem Planer eine Sanierungsvariante erarbeitet.
Die Bewertungskommission für den Wettbewerb bestand aus Vertretern der BImA, der Leitstelle des Bundes für Boden- und Grundwasserschutz beim NLBL (Niedersächsisches Landesamt für Bau und Liegenschaften), der Bodenschutzbehörde Bremen (SKUMS, heute SUKW) und dem für die Bürgerinitiative Farge tätigen Gutachter. Die Kommission wählte auf Basis der vorgelegten Vorplanungen und einer öffentlichen Anhörung eine Vorzugsvariante im Mehrheitsverfahren aus.
Die Planungsgemeinschaft S. I. G. – Dr..-Ing. Steffen GmbH, Bentwisch (SIG) und Baugrund Stralsund Ingenieurgesellschaft mbH ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor und wurde mit der weiteren Sanierungsplanung beauftragt.
Der Siegerentwurf umfasst eine Hot-Spot Sanierung des Verladebahnhof II durch einen Bodenaustausch innerhalb einer geböschten Baugrube, eine on-site oder off-site Behandlung des ausgehobenen Bodens und die Rückverfüllung des gereinigten Bodens. Der Entwurf sah vor, auf einer Fläche von ca. 6.000 Quadratmetern insgesamt rund 155.000 Kubikmeter Boden bis in eine Tiefe von etwa 16 Metern auszuheben und wieder zu verfüllen.
Diese Vorzugsvariante wurde in der Folge in den Jahren 2021 bis 2025 detailliert geplant und mit der zuständigen Bodenschutz- und Wasserbehörde in Bremen (SUKW) abgestimmt. Die Planungen und Vorversuche zeigten, dass sowohl die geplante mikrobiologische Bodenbehandlung als auch die Bodenwäsche grundsätzlich geeignet sind, um das kontaminierte Bodenmaterial im Bereich des Verladebahnhofs II effektiv zu reinigen.

Seit November 2021 laufen die Vorarbeiten zum Rückbau mit der erforderlichen Geländeherrichtung. Sämtliche oberirdische und auch unterirdische bauliche Anlagen auf diesem Geländeteil sind rückgebaut. Neben den zum Verladebahnhof gehörenden Funktionsgebäuden wurden auch die Gleisanlagen beseitigt. Die seit Juli 2010 laufendende hydraulische Sicherung des Grundwasserabstroms wurde dabei stets aufrechterhalten.
Im Bereich des ehemaligen Fasskellers wurde aufgrund der nachgewiesenen Belastungen der geplante Aushubbereich erweitert. Dies ging in die Planung ein.

Das Gebiet des ehemaligen Tanklagers Farge wurde mehrfach im 2. Weltkrieg durch alliierte Luftangriffe bombardiert. Zahlreiche Kampfmittelfunde sind auf dem Gelände dokumentiert, insbesondere ist mit Bombenblindgängern zu rechnen. Das gesamte Gelände gilt als Kampfmittelverdachtsfläche. Es ist mit weiteren Bombenblindgängern (mit chemischen Langzeitzündern und andere Bomben) und weiteren Kampfmitteln (Granaten, Munitionsschrott) zu rechnen.
Im Bereich der geplanten Bodensanierung sind daher zur gefahrlosen Herstellung einer Baugrube mit Rampe (ca. 2 ha einschließlich Böschungsbereich) und zugehöriger Baustelleneinrichtungsfläche für die Altlastensanierung sowie notwendiger Baustraßen Kampfmittelräumungen vorzunehmen. Die notwendigen Leistungen dafür wurden bereits Ende 2024 ausgeschrieben.
Die Arbeiten zur Kampfmittelräumung wurden durch eine zugelassene Kampfmittelräumfirma im Wesentlichen im Jahre 2025 durchgeführt. Restarbeiten hierzu wurden Anfang 2026 abgeschlossen.
Verfahren zur Bodensanierung ab 2026
Im Sinne einer Hot-Spot Sanierung des Verladebahnhof II erfolgt der Bodenaushub innerhalb einer geböschten Baugrube. Es werden auf einer Fläche von ca. 7.900 Quadratmern (Grubensohle) insgesamt rund 185.000 Kubikmeter Boden bis in eine Tiefe von etwa 16 Metern ausgehoben.
Die Sanierung erfolgt in verschiedenen Schritten:
- Bauvorbereitung (Baustelleneinrichtung, Wege- und Flächenherrichtung, Aufbau Grundwasserhaltung und Grundwasserreinigung)
- Prüfung bzw. Herstellung der Kampfmittelfreiheit (s. oben) und restliche Tiefenenttrümmerung im Sanierungsbereich
- Trockenaushub in der ungesättigten Bodenzone bis ca. 13 Meter unter Geländeroberfläche (kontaminierter Boden und nicht kontaminierter Boden); Deklaration erfolgt als in-situ-Beprobung
- Separierung und Behandlung von Boden mit Schadstoffbelastungen
- Bodenchargen, die in der off-site-Anlage zu behandeln sind werden direkt in Deckelcontainer abgefüllt
- Behandlung des mittel- bis stark kontaminierten Bodens in einer stationären Bodenbehandlungsanlage im Industriehafen Bremen (off-site)
- Nassaushub in der Grundwasserwechselzone bis ca. 16 Meter unter Geländeroberfläche im Schutze von Verbaukästen
- Im Rahmen der Wasserhaltung zum Bodenaushub erfolgt die Abschöfpung der aufschwimmenden Benzinphase und das Abpumpen sowie die Reinigung des kontaminierten Grundwassers innerhalb der Verbaukästen
- Separierung und Umgang mit Boden analog zum Trockenaushub
- Rückverfüllung der Baugrube mit nicht kontaminierten bzw. gering kontaminierten Boden des Aushubs und off-site gereinigten Boden.
Die Gesamtdauer der Sanierungsarbeiten wird voraussichtlich zwei Jahre betragen und auf Kosten belaufen sich auf über 16 Millionen Euro.





Brunnengalerie zur Abstromsicherung mit Reichweite Grundwasserabsenkung (Fa. S.I.G.; 2025).
Abstromsicherung schützt Grundwasser
Ergänzend zum Bodenaustausch wird unweit der Südgrenze der Baugrube eine Abstromsicherung installiert. Mit neun Brunnen wird das abströmende Grundwasser auf der kompletten Breite der Baugrube erfasst. Das kontaminierte Grundwasser wird gefördert, über eine neu installierte Grundwasserreinigungsanlage behandelt und anschließend wieder eingeleitet oder an geeigneter Stelle versickert. Hiermit soll eine Schadstoffverlagerung in Abstromrichtung unterbunden werden, zumal durch die Arbeiten im Boden mit einer verstärkten Mobilisierung von Schadstoffen zu rechnen ist.
Zudem wird auch die bestehende Grundwasserreinigungsanlage, die zuvor der hydraulischen Sicherung diente, genutzt. Diese Anlage wird an die südliche Liegenschaftsgrenze umgesetzt. Hier wird aus einigen bestehenden Brunnen an der Liegenschaftsgrenze weiterhin Grundwasser gefördert. Zum Teil wurde auch hier noch eine Benzin-Leichtphase festgestellt, die hiermit erfasst werden soll.
Anhand der kontinuierlich erfassten Entwicklung des Grundwassers wird nach Abschluss der Bodensanierung über den weiteren Betrieb der Grundwasserreinigungsanlagen entschieden.
Zentrale Einrichtungen
Die wichtigsten Einrichtungen waren:
- ein 225 Meter langes Verladegleis
- 2 Verteilerstationen
- eine Pumpstation mit drei Tanks
- Kraftstoffleitungen, -schächte
- ein kleines Tanklager
- eine Umspannstation
- mehrere Gebäude (z.B. Gleiswaagehaus, Unterstände, Wachhaus, Bunker)
- ein Feuerlöschteich
- ein Benzinabscheider
Bildergalerie

Verladegleis im Verladebahnhof II, ca. 2013 (Gutachten Phase I, HPC/Bremen)